Heißer Draht 1833

1833 wird in Göttingen ein kundiges Institutsfaktotum (einer Überlieferung zufolge hieß er Michelmann, er könnte jedoch auch Lentzner geheißen haben), sozusagen als Kontroll-Bit, mit einer Botschaft vom Physikalischen Kabinett zur neuen Sternwarte gehen, von Weber zu Gauß. Gleichzeitig wird in der über ihm gespannten Leitung (ein Doppeldraht) des sog. »Gauß-Weber-Telegrafen« ebendiese aufgetragene Botschaft übermittelt. Ob die elektronische Übertragungszeit nun viereinhalb oder 32 ¼ Minuten dauerte, ob der zu überbringende Inhalt »Michelmann kommt« (oder »Lentzner kommt«) – respektive »kömmt« entsprechend der Redeweise vor Ort – oder »Wissen vor Meinen / Sein vor Scheinen« lautete, ob nun der Bedienstete zeitgleich mit der Nachricht eintraf, die er selbst und Gauß dann wie aus einem Munde zugleich rufen konnten (was anekdotisch etwas her- und für Wissenschaftsfiktion sich nett macht) oder nicht: hier emanzipiert sich ein technisches Medium vom humanoiden Botengang und markiert den Beginn einer Ablöse der zweibeinigen Diener und Boten durch elektrische Kanäle. Bote und Botschaft fallen auseinander. Den neuen Übertragungsweg einzurichten war notwendig geworden, um die naturwissenschaftlichen Beobachtungen/Messungen von Weber und Gauß zu synchronisieren. Wisenschaftskommunikation und die Notwendigkeit ihrer Beschleunigung in so etwas wie »Echtzeit«. (1967 werden Bedienstete des Fernmeldeamtes Göttingen diese Verbindung zum ehrenden Andenken nachbauen.) Nicht viel anders die Bedürfnislage am CERN, als um 1989 eine schon etwas weiter entwickelte Form von (im Wortsinn) Internet die Kommunikation unter WissenschafterInnen optimieren sollte. (Diese Geschichte verbindet nun Robert Cailliau und Tim Berners-Lee, natürlich gibt’s dann auch noch die vom Arpanet, Paul Baran und Donald Watts Davies zu erzählen; ist an das Kommunikationsmodell von Claude E. Shannon und Warren Weaver zu denken usw. et cetera pp. …)