Formular/e (1)

Formulare stellen als eine Form verwaltungstechnischer »Aufschreibesysteme« Schreibflächen zur Verfügung und reglementieren deren Nutzung. So wie, mit dem für Medienwissenschaften fruchtbar gemachten Nietzsche-Verdikt, »unser Schreibzeug mit an unseren Gedanken [arbeitet]«, haben auch derartige Schreibflächen wesentliche Bedeutung für das, was hier entsteht.

Dabei sind die über Formularfelder generierten Datenmengen grundsätzlich prekär (Körper, Finanzen, Geist betreffend) und stellen die wesentliche Verschubmasse dar im laufenden Übergang von analog über elektronisch zu digital. Reglement, Zugriff, Nutzung, Prozesse und Konsequenzen unterscheiden sich dabei teils beträchtlich, stets aber sind auch je eigens ausgebildete Kulturtechniken mit im Spiel – sowohl was die juristischen Voraussetzungen als auch die Zurichtung von Formularen betrifft, die typografischen Auszeichnungen und Veränderungen entsprechend einer Idee größtmöglicher Effizienz; d.h. konkret Standardisierung und Reglement.

Wenn, mit Friedrich Schiller gesprochen, der Mensch zum Formular geworden ist –

»Aber selbst der karge fragmentarische Anteil, der die einzelnen Glieder noch an das Ganze knüpft, hängt nicht von Formen ab, die sie sich selbsttätig geben (denn wie dürfte man ihrer Freiheit ein so künstliches und lichtscheues Uhrwerk vertrauen?), sondern wird ihnen mit skrupulöser Strenge durch ein Formular vorgeschrieben, in welchem man ihre freie Einsicht gebunden hält. Der tote Buchstabe vertritt den lebendigen Verstand, und ein geübtes Gedächtnis leitet sicherer als Genie und Empfindung.«

6. Brief Über die ästhetische Erziehung des Menschen

–, wird Existenzielles verhandelt; diese Abneigung gegen Formulare, die beklagte Entfremdung durch den bürokratischen Akt, die Vielzahl an Vorgaben (›The Bureaucracy is the Massage‹) und vieles mehr tragen zum stets Prekären des Aufschreibesystems Formular bei.


Vertragsformular der Stadtwerke Kaiserslautern, 1978.
(Abb. in: Borries Schwesinger: Formulare gestalten. Das Handbuch.
Mainz: Hermann Schmidt 2007, S. 69.)