Herzstiche

As I looked, the eyes saw the sinking sun, and the look of hate in them turned to triumph.But, on the instant, came the sweep and flash of Jonathan’s great knife. I shrieked as I saw it shear through the throat. Whilst at the same moment Mr. Morris’s bowie knife plunged into the heart. It was like a miracle, but before our very eyes, and almost in the drawing of a breath, the whole body crumbled into dust and passed from our sight. 

Stoker, Dracula [1897]

[W]ir stehen immer auf dem Theater, wenn wir auch zuletzt im Ernst erstochen werden.

Büchner, Dantons Tod [1835]

Wieder begann die widerlichen Höflichkeiten, einer reichte über K. hinweg das Messer dem anderen, dieser reichte es wieder über K. zurück. K. wusste jetzt genau, dass es seine Pflicht gewesen wäre, das Messer, als es von Hand zu Hand über ihm schwebte, selbst zu fassen und sich einzubohren. Aber er tat es nicht, sondern drehte den noch freien Hals und sah umher. Vollständig konnte er sich nicht bewähren, alle Arbeit den Behörden nicht abnehmen[.] Aber an K’s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm ins Herz stiess und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah K. noch wie nahe vor seinen Gesicht die Herren Wange an Wange aneinandergelehnt die Entscheidung beobachten. »Wie ein Hund!«, sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.

Kafka, Process [1914]

Gespräch über Scheintod und Herzstich an einem Kaffeehaustischchen auf dem Domplatz. Mahler hat auch den Herzstich verlangt.

Kafka-TB-Notat, wohl zum 1. September 1911, von einem Gespräch mit Max Brod in Mailand.

Kaffeehaus oder der Tod?

Auch dies von Kafka, immer noch 1911, aber eineinhalb Monate später.

16/8 Furchtbarer Traum. Dass Lili testamentarisch einen Herzstich verfügt;– ich dagegen – es sei ja nun, nach Monaten zu spät;– Olga besteht;– ich bleibe außerhalb der Todtenkammer;– weil ich ja weiss, dass die Verwesung schon fortgeschritten;– höre einen Aufschrei O.; mit Schaudern.– […]

Schnitzler-TB-Notat, zum 16. August 1930, mehr als zwei Jahre nach dem Selbstmord seiner Tochter im Juli 1928; sie hatte sich ins Herz (in die Brust) geschossen.

Wien, 29. April 1912,
Bestimmungen, die ich nach meinem Ableben zu erfüllen bitte: 
Herzstich.
Keine Kränze! 
Keine Parte! Auch in der Zeitung nicht!
Begräbnis letzter Klasse. 
Das durch die Befolgung dieser Bestimmungen erübrigte Geld ist Spitalzwecken zuzuwenden.
Keine Reden! 
Vermeidung allen rituellen Beiwerkes.
Keine Trauer tragen nach meinem Tode, absolut keine.
Artur [sic] Schnitzler.

Die Kursivierungen sollen im Manuskript aus 1912 [sic] unterstrichen sein; dieses wurde der Arbeiter-Zeitung durch Heinrich Schnitzler zur Kenntnis gebracht, die das unter dem Titel »Die letzten Verfügungen Artur Schnitzlers« zusammen mit Hinweisen zum Begräbnis zwei Tage nach Schnitzlers Tod ins Blatt rückte; cf. Arbeiter-Zeitung, Jg. 44, Nr. 292 v. 23.10.1931, S. 8